Innenarchitekt, Wohnberater, Farbdesigner, Raumausstatter und Sattler – was sind eigentlich die Unterschiede und was die Gemeinsamkeiten?

Sattlerin bei der Arbeit

Oft werde ich gefragt, was überhaupt die Unterschiede von Innenarchitekten, Wohnberatern, Farbdesignern, Raumausstattern oder Sattlern ausmachen. Die Gemeinsamkeit all dieser Berufe ist, dass sie quasi alle mit Innenräumen zu tun haben. Warum ich jetzt das Wort quasi verwendet habe und was die Arbeitsbereiche der jeweiligen Berufe sind, erfährst du in diesem Blogartikel.

Die einzelnen Berufe und was sie mit schönen Wohnräumen gemeinsam haben:

Um Klarheit zu gewinnen hilft es zu wissen, für was die jeweilige Berufsbezeichnung steht. Übrigens führe ich, als ursprünglich gelernte Sattlerin (meine Erstausbildung), bewusst nur die maskuline Berufsform auf, um den Lesefluss einfacher zu halten.

Sattlerin bei der Arbeit
Sattlerin beim Doppelnadelnähen

Der Sattler – Ursprung vom Leder- und Wohnhandwerk

  • Der Sattler steht für den Ursprung des Handwerkes für Leder und gröbere Textilarbeiten. Auch heute bringen die Berufsleute ein sehr umfangreiches Wissen über alle Arten von Leder und Textilien mit pflanzlichem und tierischem Ursprung mit. Sogar über die verschiedenen Holzarten und deren Eignungsbereich weiss der Sattler Bescheid. Ich nenne es den Ursprung des Handwerks deshalb, weil der Sattler früher, also vor über hundert Jahren, für jede Art des bequemen Sitzens, Liegens, Reisens und Gehen zuständig war. Er fertigte von Schuhen, Sitzpolstern, Matratzen, Ledertaschen, Koffer, Sättel und Zaumzeug fast alles für Mensch und Tier an. Er kam immer dann zum Einsatz wenn Leder oder grobe Tuch- und Seilwaren verwendet wurden. Heute ist dieser Beruf in der Schweiz in drei Fachrichtungen erlernbar. Er führt nach 3 Jahren und bestandener Prüfung, zum eidgenössisch anerkannten Abschluss „Fachmann/-frau Leder und Textil EFZ“. Jeweils mit Zusatz der Fachrichtung, z.B. „Pferdesport“. Weitere mögliche Fachrichtungen sind „Fahrzeuge und Technik“ Carrosseriesattler/in sowie „Feinlederwaren“ Portefeuiller/in.
  • —> Hier gilt zu beachten: nicht jeder Sattler (oder wie es heute genannt wird: Fachmann Leder und Textil) ist in jedem Gebiet gleich erfahren. Das heisst, manche sind stärker bei der Lederverarbeitung, andere beim Polstern oder im industriellen Produktionsbereich. Es lohnt sich den Fachmann nach dessen Erfahrungsbereich und Schwerpunkten zu fragen.
Petra beim Vorhangnähen
Petra beim Vorhangnähen

Der Raumausstatter – Macher

  • Ein Raumausstatter ist quasi der Macher. Früher wurde dieser Beruf bei uns in der Schweiz auch Innendekorateur genannt. Er kann polstern, textile Bodenbeläge verlegen, Vorhänge und deren Systeme installieren. Zudem kann er Möbel und Objekte montieren. Er hat ein breites Wissen über Materialien und eine seriöse handwerkliche Ausbildung.
  • —> Hier gilt zu beachten: nicht jeder Raumausstatter ist in jedem Gebiet gleich erfahren. Das heisst, manche sind stärker beim Bodenbeläge verlegen, andere bei den Vorhängen und wieder andere beim Polstern oder beim Tapezieren von Flächen. Es lohnt sich also den Fachmann nach seinen Stärken zu fragen.

Der Wohnberater – Einrichtungsberatung

  • Ein Wohnberater ist grundsätzlich jemand, der dir hilft, deine Räume mit Möbeln und Accessoires neu einzurichten. Er hat, wenn er richtig ausgebildet ist, Kenntnisse über Bodenbeläge, Vorhänge, Möbel, Lichtquellen und Materialien, die zum Einrichten verwendet werden.
  • —> Hier gilt zu beachten: der Wohnberater ist meist bei einer Firma angestellt. Diese hat ihre gängigen Lieferanten und Modelle. Das bedeutet, dass diese wahrscheinlich bevorzugt empfohlen und verkauft werden. Somit ist der Wohnberater nicht ganz unvoreingenommen, wenn es darum geht, für den Kunden die perfekt passende Lösung zu finden. Diese enge Zusammenarbeit mit den bekannten Lieferanten bringt dafür den Vorteil, dass die Produkte und deren Qualität gut bekannt sind und ideal eingesetzt werden können. Die Wohnberaterausbildung ist oft eine der Weiterbildungen, die ein Raumausstatter absolviert.

Wohnen mit Farbe
Wohnen mit Farbe mit Petra machts, Foto: Kai Zumkemi

Der Farbdesigner – Verbindet Menschen mit dem Raum

  • Der Farbdesigner ist der Fachmann wenn es um die Auswahl der richtigen Farbe für den Raum oder das Haus geht. Er ist deine Ansprechperson sowohl für einzelne Räume, als auch für ganze Konzepte von Privat- über Gewerbliche- bis zu Büroräumlichkeiten. Er hat ein sehr tiefes und breites Wissen über Farben und deren Wirkungen auf den Raum und die Benutzer des Raumes. Der Farbdesigner ist idealerweise ein Berater, der die Farben nicht nur sieht sondern auch spürt. Natürlich sollte auch dieser Berater den Nutzen und die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellen, um so die ideal passende Lösung eruieren zu können.
  • —> Hier gilt zu beachten: Wie tief und breit das Wissen des Farbdesigners ist, hängt natürlich nicht nur mit der Ausbildung zum Farbdesigner zusammen. Aufschluss gibt hier sowohl der berufliche Hintergrund wie auch seine Erfahrung, Offenheit oder auch seine Kenntnisse für andere, zum Beispiel geschichtliche, kulturelle oder auch Feng Shui Hintergründe.

Ankleide vor dem Umbau
Ankleide nach Umbau
Ankleide nach Umbau mit Petra machts, Foto: Kai Zumkemi

Der Innenarchitekt – kreativer Koordinator

  • Der Innenarchitekt hat nochmals ein tieferes Wissen als der Wohnberater. Er versteht nicht nur was es braucht um Räume schön einzurichten, sondern weiss z.B. auch was Bausubstanz heisst. Der Innenarchitekt hat tiefere technische Kenntnisse als der Wohnberater. Zum Beispiel ist er darauf geschult die richtigen Abklärungen zu treffen um wichtige Entscheide richtig fällen zu können. Zum Beispiel: ist eine Wand tragend oder darf sie rausgerissen werden um den Raum zu öffnen. Er ist Dreh- und Angelpunkt bei den Projekten. Er koordiniert und organisiert und entlastet so ganz stark den Auftraggeber.
  • —> Hier gilt zu beachten: ein Innenarchitekt muss nicht zwingend teuerer sein, als zum Beispiel ein Farbdesigner. Oft ist es aber so, dass für den Beratungsdienst von Wohnberater, Farbdesigner und Innenarchitekt Kosten berechnet werden. Wogegen die Raumausstatter oder Handwerker in vielen Gegenden der Schweiz für die Beratung und Offertenstellung keine Extrakosten berechnen. Das heisst, es lohnt sich immer im vornherein zu besprechen, welche Kosten wie berechnet werden.

Fazit: Der Sattler und der Raumausstatter sind quasi die Handwerker. Farbdesigner, Wohnberater und Innenarchitekt sind vor allem beratend und konzeptionell tätig. ☀️

Nun habe ich dir die Unterschiede beschrieben. Wenn du dich nun fragst wobei ich dir weiterhelfen kann: ich bin gelernte Sattlerin, nähe Vorhänge und installiere Vorhangsysteme, bin Farbdesignerin und Innenarchitektin. Dazu habe ich über 14 Jahre als Wohnberaterin gearbeitet und davor gepolstert und Böden verlegt. Noch Fragen? Ich freue mich! 🤗

Das Leben is(s)t bunt! ☀️Petra machts GmbH☀️

2 Gedanken zu „Innenarchitekt, Wohnberater, Farbdesigner, Raumausstatter und Sattler – was sind eigentlich die Unterschiede und was die Gemeinsamkeiten?

  1. Vielen Dank für die Erklärung der Unterschiede zwischen diesen Berufsgruppen! Meine Tante sucht derzeit auch nach einem Raumausstatter und ich war mir nicht ganz sicher, ob sie das sucht, was sie benötigt. Guter Hinweis, dass nicht jeder Raumausstatter ist in jedem Gebiet gleich erfahren ist.

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